Page 12 - Schiedsrichter-Zeitung
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MELDUNGEN
DFB-SCHIEDSRICHTER-ZEITUNG 03|2021
PANORAMA
GEISTERSPIELE:
MEHR BEACHTUNG FÜR DEN REFEREE
Die leeren Ränge bieten mehr Möglichkeiten zur Kommunikation zwischen Spieler und Schiedsrichter.
MEXIKO: SCHIEDSRICHTER VERHINDERT TOR
Dass das Stellungsspiel des Schiedsrichters mit Bedacht gewählt sein sollte, zeigt eine kuriose Szene aus Mexiko: Beim Erstligaspiel zwischen Cruz Azul und Toluca hatte die Heimmannschaft das 3:0 auf dem Fuß, doch der Schiedsrichter verhinderte den Treffer.
In der 36. Minute lief Angreifer Luis Romo ganz alleine aufs Tor zu. Er umspielte den Torwart, traf aber nicht das verwaiste Tor, sondern nur den Pfosten. Nun stand sein Mitspieler bereit und wollte den Abpraller verwerten. Doch zum Torjubel kam es nicht: Schiedsrichter Oscar Macias war ebenfalls in den Strafraum hineingesprintet, überholte den Angreifer und wurde am Torraum ange- schossen.
Mit dieser unfreiwilligen Rettungsaktion hielt Macias die Gäste zwar im Spiel. Diese konn- ten vor der Pause noch den Ausgleich erzie- len, doch am Ende siegte Azul mit 3:2. Merke also: Das Spiel vor sich zu halten, ist nicht die schlechteste Schiedsrichter-Weisheit.
UEFA ENTSCHEIDET: UNANGEMESSENES VERHALTEN, ABER KEIN RASSISMUS
Im Sportmagazin „kicker“ erkennt der Sportso- ziologe Gunter Gebauer eine Veränderung im Verhältnis zwischen Fußballern und Schieds- richtern: Man könne sehen, dass „sich die Spie- leroffenbarstärkerdenSchiedsrichternzuwen- den und sie mehr beachten. Ein Schiedsrichter musste manchmal jemanden, der ein böses Foul verübt hat, zurückholen lassen, damit er überhaupt seine Gelbe oder Rote Karte in Emp- fang nehmen konnte“, sagte der emeritierte Professor für Philosophie und Sportsoziologie an der FU Berlin der Deutschen Presse-Agentur. Die Schiedsrichter hätten jedoch „in der jetzi- gen Situation eine viel stärkere Autorität auf dem Spielfeld. Sie haben nicht das Publikum
gegen sich und kön-
nen auch besser mit
den Spielern spre-
chen, da kein ohren-
betäubender Lärm
herrscht“, erklärte
Gebauer. „Der Fuß-
ballstar, hinter dem
bis dahin zigtausend
Menschen standen
und der durch Gebrüll unterstützt wurde, ist jetzt machtlos gegenüber dem Schiedsrichter und steht dort alleine. Das ergibt eine vollkom- men andere Balance im Verhältnis von Spieler zu Schiedsrichter.“
Sportsoziologe Gunter Gebauer.
Der rumänische Schiedsrichter Sebastian Constantin Coltescu wurde von der Europä- ischen Fußball-Union (UEFA) bis zum Saison- ende gesperrt. Die Ethik- und Disziplinar- kommission hat die Vorkommnisse beim Champions-League-Spiel zwischen Paris Saint-Germain und Basaksehir Istanbul zwar nicht als Rassismus bewertet, wirft dem Refe- ree aber „unangemessenes Verhalten“ vor.
Am 8. Dezember vergangenen Jahres war das Gruppenspiel zwischen dem französi- schen Meister und dem türkischen Klub im
Anschluss an eine Rote Karte gegen Basak- sehirs Co-Trainer, Pierre Webo, abgebrochen worden. Der als Vierter Offizieller wirkende Coltescu soll Webo beim Platzverweis mit dem in Deutschland als „N-Wort“ umschrie- benen Begriff bezeichnet haben.
Coltescu muss nun vor dem 30. Juni 2021 an einem Bildungsprogramm für UEFA- Schiedsrichter teilnehmen. Im internationa- len Kontext sei ein korrekter Sprachgebrauch unerlässlich, um Situationen zu vermeiden, wie sie in dem Spiel aufgetreten seien.
Beim Champions-League-Spiel Paris gegen Istanbul gab es Rassismus-Vorwürfe, die sich im Nachhinein aber als nicht berechtigt herausstellten.