Page 15 - Schiedsrichter-Zeitung
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vor dem Ball eindeutig seine Schussbewe- gung und schießt, nachdem der Torwart reagiert hat, den Ball auf das Tor. Der Ball geht jedoch knapp am Tor vorbei ins Aus. Entscheidungen?
SITUATION 10
Abstoß: Der Torhüter holt hinter dem Tor den Ball, wirft ihn seinem Verteidiger zu und dieser bringt ihn sofort mit dem Fuß ins Spiel. Der Ball wird vom Angreifer korrekt abgefangen und in das noch leere Tor geschossen, denn der Torhüter war noch nicht zurück auf dem Spielfeld. Wie ist zu entscheiden?
SITUATION 11
Bei einem weit in die gegnerische Hälfte geschlagenen Pass der angreifenden Mann- schaft versucht der Abwehrspieler noch vor der Mittellinie, den Ball mit dem langen Bein zu erreichen. Dabei berührt er diesen zwar, kann aber nicht verhindern, dass der so abge- fälschte Ball zu einem Angreifer gelangt, der sich bei der Ballabgabe seines Mitspie- lers in Abseitsposition befand. Wie entschei- det der Referee?
SITUATION 12
Ein Angreifer verlässt über die Torlinie das Spielfeld und entzieht sich dadurch einer Abseitsstellung. Obwohl die Spielsitua- tion, die ihn zum Verlassen des Spielfelds veranlasste, noch nicht abgeschlossen ist, läuft dieser Spieler auf das Feld und greift den ballführenden Torwart an. Dieser hatte den Ball zuvor von seinem Mitspieler mit dem Fuß zugespielt bekommen und nimmt ihn nun mit der Hand auf. Wie ist zu ent- scheiden?
SITUATION 13
Bei der Ausführung eines Strafstoßes springt der Torhüter mit beiden Beinen mehrfach in die Höhe und bewegt sich zudem seitlich auf der Torlinie. In der Folge gelingt es dem Torwart, den Strafstoß abzuwehren, und der Ball bleibt im Spiel. Welche Entscheidung trifft der Schiedsrichter?
SITUATION 14
Da die Ausführung eines indirekten Freisto- ßes an der Strafraumgrenze sehr schnell erfolgt, kann der Schiedsrichter nicht mehr rechtzeitig den Arm heben. Der Angreifer schießt den Ball direkt auf das Tor, aber ein Verteidiger kann den Ball im letzten Moment über die Querlatte ins Aus köpfen. Wie ent- scheidet der Unparteiische?
SITUATION 15
Beim Parieren eines Torschusses gleitet der Ball dem Torwart aus den Händen. Am Boden liegend, versucht er nun, den Ball unter Kon- trolle zu bringen. Es gelingt ihm immerhin, eine Hand an den Ball zu bringen und diesen gegen den Pfosten zu drücken. Ohne den Torwart zu berühren, schafft es aber nun ein Angreifer, den Ball ins Tor zu schießen. Ent- scheidung?
So werden die 15 Situationen richtig gelöst:
1: Der Schiedsrichter lässt weiterspielen. Da der Torwart einen Klärungsversuch unternommen hat, dieser aber verun- glückte, darf er den Ball nun mit den Händen spielen, obwohl es sich zuvor um ein Zuspiel des Verteidigers gehandelt hatte.
2: Indirekter Freistoß, keine Verwarnung. Da es sich hier nicht um ein zweifaches Spielen des Balls nach einer Spielfort- setzung handelt, sondern um ein uner- laubtes Spielen während des laufenden Spiels, wird in diesem Fall auch nicht von einer Torchancenverhinderung gespro- chen, sondern von einem technischen Regelvergehen.
3: Strafstoß, Feldverweis. Geraten Spie- ler im Zuge eines Zweikampfs über die Spielfeld-Begrenzungslinien ins Aus und begehen dort ein Foulspiel gegen ihren Gegenspieler, wird dies so bestraft, als wäre der Tatort auf der Linie. Im Bereich der Außenlinie des Strafraums gibt es folgerichtig den Strafstoß. Die Persön- liche Strafe ergibt sich aus der Schwere des Vergehens.
4: Weiterspielen, kein Eingreifen des Schiedsrichters. Mittlerweile wird bei dem Torwart nur unterschieden, ob er den Ball kontrolliert hat oder nicht. Ein Abklatschen „zwecks Kontrolle“ gilt nicht als Ballkontrolle.
5: Gelbe Karte. Der Spieler wird unab- hängig von der Vorteil-Anwendung ver- warnt, wenn die Schwere des Vergehens (rücksichtsloses Foulspiel) es erfordert.
6: Indirekter Freistoß, es bleibt bei der Verwarnung wegen Reklamierens. Der Wechsel vor Spielbeginn ohne Mitteilung an den Schiedsrichter wird nur gemeldet.
Der Spieler darf auf dem Spielfeld bleiben und auch das Auswechselkontingent wird nicht belastet.
7: Wiederholung des Abstoßes. Der Tor- wart darf zwar den Ball regulär mit der Hand spielen, jedoch dürfen Spielfort- setzungen wie Freistöße, Abstöße und Eckstöße nur mit dem Fuß ausgeführt werden. Selbst ein Torwart hat dabei kein Sonderrecht.
8: Tor, Anstoß, Verwarnung des Torwarts. Da eine klare Torchance vorliegt, ist die schnelle Spielfortsetzung berechtigt, und die Disziplinarmaßnahme wird erst in der nächsten Spielunterbrechung aus- gesprochen.
9: Indirekter Freistoß, Verwarnung des Schützen. Unerlaubtes Täuschen zieht – unabhängig von der Wirkung – immer eine Verwarnung und einen indirekten Freistoß nach sich.
10: Anstoß. Das Tor wurde korrekt erzielt, da der Torhüter berechtigt das Spielfeld verlassen hatte und er selbst die schnelle Spielfortsetzung mit herbeigeführt hat.
11: Weiterspielen, da dies ein bewusstes Ballspielen durch den Verteidiger ist, das die vorherige Abseitsposition auf- hebt. Auch wenn es eine verunglückte Handlung des Abwehrspielers ist, bleibt es doch eine zielgerichtete Aktion zum Ball.
12: Indirekter Freistoß für den Torwart, Verwarnung für den Angreifer wegen unerlaubten Betretens des Spielfelds. Dessen Vergehen liegt zeitlich eindeutig vor der unzulässigen Aufnahme des Balls durch den Torwart und ist somit entschei- dend für die Spielfortsetzung.
13: Weiterspielen. Das Verhalten des Tor- warts ist korrekt, sofern er sich bei der Ausführung des Strafstoßes mit mindes- tens einem Fuß auf oder auch über der Torlinie befindet.
14: Eckstoß. Eine Wiederholung hätte es nur gegeben, wenn der Ball direkt ins Tor gelangt wäre.
15: Indirekter Freistoß. Sobald der Tor- wart einen Teil seiner Hand am Ball hat und diesen fixiert und somit kontrolliert, darf ein Gegenspieler den Ball nicht mehr spielen. Das Vergehen gilt als gefährli- ches Spiel. Da der Torwart dabei nicht getroffen wurde, ist daraus kein verbo- tenes Spiel geworden.
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