Page 21 - Schiedsrichter-Zeitung
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von seinem Betreuer gepflegt. Offensicht- lich verärgert über einen Kommentar eines Zuschauers, schlägt der verletzte Spieler die- sem Zuschauer, der hinter der Bande steht, mit der Faust gegen den Kopf. Wie entschei- det der Schiedsrichter?
SITUATION 11
Ein Stürmer dringt in den Strafraum ein und hat in zentraler Position eine eindeutige Tor- chance. Ein Verteidiger versucht, den Ball zu spielen, bringt aber durch ein Beinstellen den Angreifer zu Fall. Weil der Ball nun zu einem weiteren Angreifer gelangt, entschei- det der Schiedsrichter auf Vorteil. Wie ent- scheidet der Unparteiische, wenn es nun zum Torerfolg kommt?
SITUATION 12
Der Schiedsrichter entscheidet wegen eines Fußvergehens auf Strafstoß. Als der ver- meintlich gefoulte Spieler zu ihm kommt und erklärt, dass kein Vergehen vorlag, gibt der Schiedsrichter nun Schiedsrichter-Ball. Wo, wie und mit wem wird dieser ausgeführt, wenn sich der Ball zum Zeitpunkt des Pfiffs außerhalb des Strafraums befand, jedoch zuvor von einem Stürmer im Strafraum gespielt wurde?
SITUATION 13
Bei der Strafstoßausführung täuscht der Schütze unsportlich, indem er unmittelbar in der Ausholbewegung vor dem Schuss stoppt und wartet, wie sich der Torwart bewegt. Der anschließende Schuss geht am Pfosten vorbei ins Toraus. Wie entscheidet der Referee?
SITUATION 14
Bei der Strafstoßausführung hat sich der Tor- wart zu früh von der Linie gelöst und steht mit beiden Beinen circa einen Meter vor der Linie. Der Schütze schießt jedoch den Ball über das Tor. Welche Entscheidung trifft der Schiedsrichter?
SITUATION 15
Nach einem verwarnungswürdigen Foul im Mittelfeld will der Schiedsrichter den bereits verwarnten Spieler mit der Nr. 8 des Heim- vereins mit „Gelb/Rot“ des Feldes verweisen. Bevor der Unparteiische das Spiel unterbre- chen kann, ergibt sich für die Gäste ein sehr guter Vorteil, den der Referee gewährt. Das Spiel verlagert sich in den Strafraum, wo nun der zurückgelaufene Spieler mit der Nr. 8 den Ball ins Toraus schießt. Wie handelt der Schiedsrichter?
So werden die 15 Situationen richtig gelöst:
1: Indirekter Freistoß wegen Abseits. Da es sich hier um eine Torverhinderungsak- tion handelt (neuer Regeltext), ist es uner- heblich, ob der Ball abprallt oder gespielt wird. Die strafbare Abseitsposition bleibt in jedem Fall bestehen.
2: Tor, Anstoß. Durch dieses Spielen des Balles durch den Verteidiger wird die Abseitsposition aufgehoben. Zudem handelt es sich hier zwar um eine Abwehraktion, aber nicht um eine Tor- verhinderungsaktion, da hinter dem Abwehrspieler noch mehrere Spieler stan- den und zudem der Ball nicht ins oder nah ans Tor ging.
3: Direkter Freistoß. Da der Kontakt mit dem Arm im Zusammenhang mit der unmittelbaren Torerzielung strafbar ist, wird dieser Treffer nicht anerkannt. Die Grenze zwischen der Hand bzw. dem Arm und der Schulter verläuft unterhalb der Achselhöhle. Eine nach oben gescho- bene Spielführerbinde kann also nur bis zur Achselhöhle reichen und befindet sich somit im strafbaren Bereich.
4: Tor, Anstoß. Hier handelt es sich um ein nicht ahndungswürdiges Handspiel, da weder die Voraussetzungen für ein straf- bares Handspiel gegeben sind noch aus der Berührung unmittelbar ein Tor erzielt wird. Von Unmittelbarkeit spricht man nur noch, wenn der Spieler, der den Ball an die Hand oder den Arm bekommt, das Tor direkt erzielt.
5: Weiterspielen. Der Verteidiger hat in keiner Weise versucht, den Ball mit der Hand abzuwehren, sondern die Arme lediglich zur Balance ausgestreckt. Dies ist eine natürliche Bewegung.
6: Strafstoß, Verwarnung. Es handelt sich um eine unnatürliche Hand- bzw. Armhal- tung des Spielers, die nicht zur Balance im Zweikampf dient. Indem der Spieler bereits mit weit abgespreizten Armen in den Zweikampf geht, vergrößert er bewusst seine Abwehrfläche. Die Verwar- nung erfolgt, weil der Ball auf das Tor geschossen wurde.
7: Weiterspielen. Es ist ersichtlich, dass es sich um eine Drehbewegung handelt. Zudem gilt die Intention des Spielers nicht dem Ball, und er versucht, diesen auch keinesfalls aufzuhalten. Im Gegenteil:
Auch er ist am Klärungsversuch seines Mitspielers interessiert.
8: Indirekter Freistoß, Verwarnung. Sämt- liche Vergehen, bei denen sich ein Spieler oder der Torwart einen Trick zunutze macht, um ein absichtliches Zuspiel eines Verteidigers mit der Hand aufzunehmen, gilt als Vergehen – nicht nur bei Freistö- ßen, sondern auch bei Abstößen. Der Ini- tiator des Tricks in diesem Fall ist zudem zu verwarnen.
9: Indirekter Freistoß wegen unerlaubten Verlassens des Spielfelds, Rote Karte. Da der Schiedsrichter hier den gesamten Vor- gang mitbekommen hat, bestraft er das Verlassen des Spielfelds mit einem indi- rekten Freistoß.
10: Schiedsrichter-Ball, Feldverweis. Da der Spieler sich regelgerecht außerhalb des Spielfelds befand, kann nur auf Schiedsrichter-Ball als Spielfortsetzung entschieden werden.
11: Tor, Verwarnung. Da es sich um eine „Notbremse“ handelt, bei der auf Vorteil entschieden wird, reduziert sich die Strafe von „Rot“ auf „Gelb“. Eine weitere Redu- zierung – aufgrund des ballorientierten Einsatzes – findet allerdings nicht mehr statt. Denn auch bei mehreren Gründen für eine Reduzierung der Persönlichen Strafe findet diese trotzdem nur einmal statt.
12: Schiedsrichter-Ball mit dem Torwart des verteidigenden Teams; da der Ball zuletzt im Strafraum gespielt wurde, ist der Schiedsrichter-Ball dort mit dem jeweiligen Torwart auszuführen. Alle anderen Spieler müssen mindestens vier Meter Abstand einhalten.
13: Indirekter Freistoß, Verwarnung des Schützen. Unabhängig von der Wirkung des Strafstoßes, wird bei einem unsport- lichen Täuschen des Schützen ein indi- rekter Freistoß ausgesprochen und eine Verwarnung verhängt.
14: Abstoß. Der Torwart löst sich zwar zu früh von der Linie, aber er beeinflusst weder den Schützen entscheidend, noch hält er den Ball auf. Deshalb ist das Fehl- verhalten nicht zu bestrafen.
15: Indirekter Freistoß, „Gelb/Rot“. Wenn ein Spieler, der des Feldes zu verweisen ist, nach einem Vorteil erneut ins Spiel eingreift, ist das Spiel sofort zu unterbre- chen und die Persönliche Strafe auszu- sprechen.
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