Page 9 - DFB-Schiedsrichterzeitung 01-2019
P. 9
9
Schiedsrichter, der nach diesem Standard ausgebildet Und mit diesem Auftrag an die Anwesenden endet die
wurde. Bei 20 Anwärtern auf einem Lehrgang wären das Tagung. Helmut Geyer bedankt sich bei den Obleuten
zum Beispiel 800 Euro, die man natürlich wieder in die für die vergangenen acht Jahre („und dafür, dass ihr mich
Ausbildung investieren könnte. Dementsprechend ist ertragen habt“), dann zerstreut sich die Gruppe in der
Helmut Geyer auch mit den Ergebnissen der Arbeits- Hotellobby. Die einen steigen ins Auto, die anderen
gruppe zufrieden: „Kompliment an die fünf Verbände, zurück in den Shuttlebus zum Flughafen oder zum Fern-
ich denke, es ist richtig, dass wir diesen Standard jetzt bahnhof. Wieder durch die Gänge, wieder an den Tou-
einmal festgelegt haben.“ Einzelnen Bedenken aus dem risten vorbei, wieder wird es international. Man verab-
Plenum, die die Umsetzbarkeit in Zweifel ziehen, hält schiedet sich herzlich, um sich drei Rolltreppen später
Geyer entgegen: „Das können wir leisten, davon bin ich doch noch einmal über den Weg zu laufen. Ein Arbeits-
überzeugt!“ wochenende geht zu Ende.
„Der kleine Bruder stellt sich vor“
Claudio Bernold (48) leitet seit 2013 das schieden und die Schweiz hat es bis ins Ach- eine Potenzialnote. Wenn ein junger Schieds-
Ressort „Schiedsrichter – Amateure und Ent- telfinale geschafft. Ich wollte aber auch richter tolle Skills hat, bei dem wir sagen:
wicklung“ im Schweizerischen Fußballver- unsere Highlights aus dem Schiedsrichter- „Das ist ein Rohdiamant“, dann haben wir
band und ist damit direkter Kollege von bereich der vergangenen Jahre vorstellen: die Möglichkeiten, ihn über die Potenzial-
Helmut Geyer. Bei der Obleute- und Lehr- „Club Corner“ zum Beispiel, das ist ein IT- note in Hinblick auf seine Zukunft weiter zu
wartetagung hielt er einen Gastvortrag über Projekt, wo alle Schiedsrichteransetzungen fördern – auch wenn es vielleicht in diesem
die Herausforderungen im Schiedsrichter- drauf sind, wo die Spielberichte abgehandelt einen Spiel noch nicht ganz optimal funkti-
wesen der Schweiz. werden, ein Gesamttool, das wirklich sehr oniert hat.
gut funktioniert. Außerdem habe ich unse-
Herr Bernold, wie kam es zu diesem Besuch ren Inspektionsbericht, den Coaching- Was nehmen Sie von dieser Tagung mit
in Frankfurt? Bericht also, vorgestellt, da gibt es nämlich zurück in die Schweiz?
im Vergleich zu Deutschland auch ein paar
Durch eine Gegeneinladung von Helmut Unterschiede. Das Thema Schiedsrichter-Werbung finde
Geyer, wir hatten ihn nämlich im Frühling zu ich extrem spannend, es war interessant zu
unserer Obleutetagung in die Schweiz ein- Welche sind das? sehen, auf welchen Ebenen da in Deutsch-
geladen. Das hat damals wunderbar geklappt land überall gearbeitet wird. Aber auch ins-
und war ein sehr guter Austausch, deswegen Als Beobachter bewertest du ja immer nur gesamt war die Tagung für mich sehr berei-
freue ich mich sehr, dass ich jetzt hier teil- ein Spiel. Und da gibt es sehr gute Leistun- chernd, ich nehme viele Ideen mit in die
nehmen darf. Das Spannende ist ja: Wir haben gen, die dadurch zerstört werden, dass der Schweiz. Und ich habe natürlich auch viele
ähnliche Themen, aber manchmal doch eine Schiedsrichter in der 94. Minute einen blö- Leute kennengelernt, mit denen ich mich in
unterschiedliche Herangehensweise. Und den Fehler macht. Deswegen vergeben wir Zukunft hoffentlich häufiger austauschen
darüber zu sprechen, ist, denke ich, berei- inzwischen zwei Noten: eine Spielnote und kann.
chernd für beide Seiten.
Unter welchem Motto stand Ihr Gastvortrag
bei den Obleuten?
Ich habe das mal überschrieben mit: „Der
kleine Bruder stellt sich vor.“ Hintergrund
dazu ist, dass ich Helmut bei unserer Tagung
in der Schweiz immer den „großen Bruder“
genannt habe. Wir schauen in der Schweiz
nämlich viel nach Deutschland, die Bundes-
liga spielt bei uns eine große Rolle. Helmut
hat aber gleich gesagt: „Das stimmt so eigent-
lich gar nicht, denn wir haben gleiche Pro-
bleme, gleiche Themen, eigentlich sind wir
auf der gleichen Ebene und deswegen sollt
ihr als Schweizer euer Licht nicht unter den
Scheffel stellen. Ihr macht ja gute Sachen!“
Und deswegen habe ich in meinem Vortrag
mal geschaut: Wo waren wir in letzter Zeit
besser? Einerseits natürlich bei der WM, das
war so ein bisschen mein frecher Ansatz, da
ist Deutschland ja in der Vorrunde ausge- Claudio Bernold stellte Projekte und Ideen von unseren Nachbarn aus der Schweiz vor.