Page 8 - DFB-Schiedsrichterzeitung 01-2019
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im Lehrgangsverlauf immer wieder intensiv über Sze- O B LE U TE : S C H I E D S R I C H TE R - PATE N
nen, in denen der Schiedsrichter einen Fehler gemacht W E RD E N B U ND E S W E I T Z U M S TA NDA RD
hat. Wagner legt aber Wert darauf, auch Szenen zu zei-
gen, in denen der Referee explizit gut ausgesehen hat: Einen Seminarraum weiter sitzen die Vorsitzenden der
„Hier, guckt euch das mal an. Nürnberg verliert den Ball, Verbandsschiedsrichterausschüsse. Auch ihre Tagung
Leipzig kontert und hier ist ein Schiedsrichter, der bei neigt sich schon dem Ende entgegen. Revolutionäres
diesem hohen Tempo wirklich dranbleibt. Jetzt sind wir ist nicht passiert, dafür gab es wichtige Updates und
schon am anderen Strafraum, jetzt kommt das Foul, jetzt Informationen aus dem Arbeitskreis DFBnet und dem
gibt es Strafstoß und ,Rot‘ – und keine Diskussionen. Frauen-Bereich, Neuigkeiten zur Schiedsrichter-Werbung
Maximale Akzeptanz! So muss das sein. Zeigt das euren und zu den Ansetzungen der Junioren-Bundesligen. Ein
Schiedsrichtern auf den Lehrabenden und sagt denen: Highlight für viele: der Vortrag des Schweizer Amateur-
So viel müsst ihr laufen, dann kommt ihr auch in die schiedsrichter-Chefs Claudio Bernold. Schließlich wollte
Bundesliga!“ Und um keine falschen Vorstellungen zu man wissen, was die Eidgenossen – die sich im Schieds-
wecken, schränkt Wagner ein: „Na ja, nur laufen reicht richterwesen sehr ähnlichen Herausforderungen stellen
nicht, das ein oder andere sollte man vielleicht zwi- müssen wie der DFB – anders (und womöglich auch
schendurch auch mal sehen.“ besser) machen.
Besonders interessiert hören die Lehrwarte zu, als Wag- Zum letzten offiziellen Punkt der Obleutetagung sind
ner einen Ausblick auf mögliche Regeländerungen gibt, auch die Lehrwarte wieder dazugestoßen. Das Thema,
die momentan im International Football Association um das es jetzt geht, betrifft schließlich auch sie. Jochen
Board (IFAB) diskutiert werden. 53 Anträge liegen vor; Härdtlein vom Württembergischen Fußballverband stellt
einige davon würden zweifelsohne für eine regeltech- ein Pilotprojekt aus dem DFB-Masterplan vor, das zur
nische Fußball-Revolution sorgen. Doch nichts davon neuen Saison in die Serienreife gehen soll: das Schieds-
ist bislang offiziell und so warnt Wagner: „Bitte noch richter-Patensystem. „Wir haben uns die Frage gestellt:
keine Feldversuche in der Rückrunde! Erst wenn der Wie schaffen wir es, Neulinge so zu begleiten, dass sie
IFAB entschieden hat, wissen wir wirklich, was auf uns dabeibleiben und nicht nach dem ersten Praxisschock
zukommt – und dann werden wir euch natürlich recht- wieder die Pfeife an den Nagel hängen?“, leitet Härdt-
zeitig und ausführlich informieren.“ lein ein. „Natürlich gibt es in fast jedem Landesverband
bereits eigene Ansätze in Sachen Schiedsrichter-Paten,
Dann ist es an der Zeit für die Fragen der Lehrwarte: Jens deswegen wollten wir in den vergangenen zwei Jahren
Franke aus Bremen hat zum Beispiel beobachtet, dass aus diesen verschiedenen Ansätzen einen Katalog mit
sich Spieler in den Verbandsklassen immer häufiger hin- Mindestanforderungen entwickeln, der ab der neuen
ter der Mauer auf den Rasen legen, um zu verhindern, Saison in allen Verbänden gelten soll. Dabei geht es
dass der Ball bei der Freistoßausführung unter der Mauer nicht nur um die Einsätze von Paten, sondern auch um
hindurchgeschossen wird. „Wie sollen unsere Schieds- die Frage: Welche Kriterien bei der Schiedsrichteraus-
richter damit umgehen?“ Lutz Wagner antwortet: „Wir bildung sollten alle Verbände erfüllen?“
haben uns diese Szenen auch angesehen und grund-
sätzlich ist das erst einmal erlaubt. Wenn der liegende Entwickelt wurden diese Kriterien von fünf Pilotverbän-
Spieler den Ball an die Hand bekommt, dann haben wir den: Bayern, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Rhein-
natürlich ein Handspiel, das wir ahnden können, ansons- land und Württemberg. Härdtlein erläutert, welche Fra-
ten haben wir da aber regeltechnisch nichts gefunden.“ gen sich die Mitglieder der Arbeitsgruppe in dieser Zeit
Solche Fragen klären die Lehrwarte mit ihrem Chef natür- gestellt haben: „Zum Beispiel schon vor dem eigentli-
lich auch außerhalb von Tagungen per E-Mail oder Anruf, chen Lehrgang: Wenn wir jeden ausbilden, der kommt,
trotzdem sagt Wagner: „Es ist wichtig, dass wir uns ein- tun wir uns damit wirklich einen Gefallen? Wenn jemand
mal im Jahr auch in der großen Runde treffen. Die Lehr- noch 20 andere Hobbys hat, gehen wir dann wirklich
warte erwarten von uns als DFB ja auch mit Recht, dass davon aus, dass dieser jemand zu einem Schiedsrichter
wir in Sachen Regelauslegung Vorgaben machen.“ werden kann, der uns hilft?“ Dann geht es aber auch um
den Lehrgang selbst: „Ein Fitnesstest sollte fester
Zum Abschluss erhalten dann alle Lehrwarte einen Stick Bestandteil sein. Dabei meinen wir nicht, dass die Neu-
mit Lernmaterial für ihre Lehrabende. Schwerpunkte linge Anforderungen wie unsere Spitzen-Schiedsrichter
sind – wenig überraschend – die Trends der aktuellen erfüllen müssen, aber eine gewisse körperliche Fitness
Saison: Umschaltspiel, Standardsituation und: „Border- ist einfach erforderlich.“ Und die Paten, die die Schieds-
line“. Wagner erklärt: „Damit meinen wir Szenen, die richter bei ihren ersten Spielen begleiten sollen? „Wir
gerade so an der Grenze sind. Beim Abseits: schon Ein- haben jetzt die Möglichkeit, bei erfahrenen Kollegen
griff oder gerade noch kein Eingriff? Beim Handspiel: ein Häkchen im DFBnet zu setzen, um diese Kollegen
strafbar oder nicht strafbar? Beim Tackling: gerade noch als Paten zu qualifizieren. Das geht aber zum Beispiel
‚Gelb‘ oder schon ‚Rot‘? Wir wollen, dass die Schieds- nur dann, wenn die Paten auch eine Erklärung zum Kin-
richter auf den Lehrabenden diese Szenen abspeichern derschutz unterschrieben haben.“
und sie in ihren Spielen abrufen können. Dass sie sich
fragen: War das Foul jetzt eher wie die Szene aus Berlin Ganz bewusst sagt Härdtlein, es gehe nicht darum, etwas
oder eher wie die Szene aus Frankfurt? War es wie ‚Ber- revolutionär Neues an den Start zu bringen, sondern
lin‘, gibt’s ‚Rot‘, war es wie ‚Frankfurt‘, gibt’s ‚Gelb‘! Wir darum, einen Standard zu etablieren, den DFB-weit alle
alle speichern Bilder ab, deswegen glauben wir, dass Landesverbände umsetzen können. Der Lohn dafür:
das extrem hilfreich ist.“ 40 Euro vom Deutschen Fußball-Bund für jeden