Page 6 - DFB-Schiedsrichterzeitung 04-2019
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                D FB -S C H I E D S R I C H T E R -Z E I T U N G  0 4 | 2 019



                        Ob Harm Osmers heute Abend früh ins Bett müsse, wol-  – das lässt sich der DFB rund 250.000 Euro kosten, um
                        len die Gäste wissen. Schließlich müsse er mit seinem   die Paten für ihren Einsatz zu entlohnen.“
                        Team ja noch das kurzfristig auf Sonntag verlegte Bundes-
                        liga-Spiel von Eintracht Frankfurt gegen den FSV Mainz 05   Besonders interessiert die Preisträger, wie Harm Osmers
                        leiten. „Unsere Vorbereitung sieht immer so aus, dass wir   mit dem Druck des Derby-Spiels am nächsten Tag
                        abends zusammen essen gehen und gegen 22 Uhr im   umgehe. Zumal anlässlich der Veranstaltung im Stadion
                        Hotel sind“, antwortet der 34-jährige Bremer. Morgens   ja noch 70 zusätzliche Schiedsrichter-Beobachter kri-
                        werde gegen 10 Uhr gefrühstückt. „Ein fester zeitlicher   tisch zuschauen würden. „Als Schiedsrichter habe ich
                        Ablauf ist für mich als Schiedsrichter wichtig“, erklärt er.  viel über mich selbst gelernt“, erzählt Harm Osmers,
                                                                     „das war mir, als ich mit 15 Jahren angefangen habe,
                        Auf die Frage, wie man sich als Frau, die nicht aus dem   natürlich noch nicht bewusst.“ Er versuche meistens,
                        Schiedsrichterwesen komme, unter den vielen Unpar-  auf sachlicher, ruhiger Ebene mit den Spielern zu reden,
                        teiischen fühle, erzählt Heike Ullrich, dass sie selbst   und sei eher zurückhaltend auf dem Platz. Und nach drei
                        einige Jahre lang als Unparteiische beim Volleyball fun-  Jahren Erfahrung in der Bundesliga gehe er inzwischen
                        giert habe. Sie kenne daher das Gefühl, Entscheidungen   innerlich relativ gelassen in ein solches Spiel.
                        zu treffen und zu vertreten, und fühle sich bei den
                        Schiedsrichtern sehr wohl.                   Wie es mit dem Video-Assistenten weitergehe, kommt
                                                                     natürlich auch als Frage von den Amateur-Schiedsrichtern.
                        E INB L I C K E  HIN T E R  D I E  K U L I S S E N  „Die Klubs haben beschlossen, dass er in der 2. Bundes-
                                                                     liga eingeführt wird, und wir sind auf diesen Schritt vor-
                        Auch die Besetzung des DFB-Präsidenten-Amts interes-  bereitet“, erklärt Lutz Michael Fröhlich. Projektleiter Jochen
                        siert die Preisträger. „Zum Namen eines neuen Präsiden-  Drees habe die Schiedsrichter und Assistenten der 2. Bun-
                        ten kann ich nur sagen, dass wir uns dazu nicht äußern –   desliga geschult, sodass man genügend Personal ausge-
                        das machen ja schon genügend andere Experten“, sagt   bildet habe. Nach den Erfahrungen in der Bundesliga
                        Zimmermann. In den kommenden Wochen wolle man   bremst Fröhlich jedoch die Euphorie: „Wir gehen nicht
                        beim DFB zunächst einmal die Aufgaben eines neuen   mit dem Anspruch in die Saison, dass in der 2. Liga alles
                        Präsidenten abstecken. „Und dann können wir ja mal   perfekt laufen wird in Sachen Video-Assistent – aber wir
                        schauen, wer von den bis dahin gehandelten Kandidaten   sind froh, dass es ihn dort nun auch gibt!“
                        unserem Anforderungsprofil tatsächlich entspricht.“
                                                                     VE R A B SC H I E D U N G  F Ü R  H AN S  SC H EU E R E R
                        Bezüglich der DFB-Akademie möchten die Amateur-
                        Schiedsrichter wissen, ob diese auch der Basis zugute-  Die „DANKE SCHIRI.“-Veranstaltung in Frankfurt am Main
                        komme. „Es wird nicht nur die Akademie gebaut, son-  ist in diesem Jahr auch der Ort, an dem Hans Scheuerer
                        dern der ganze DFB zieht um“, erklärt Zimmermann. „Am   als Mitglied aus dem DFB-Schiedsrichter-Ausschuss ver-
                        jetzigen Standort unserer Zentrale reicht der Platz für   abschiedet wird. Helmut Geyer hält die Laudatio und
                        die Mitarbeiter schon lange nicht mehr aus – wir kön-  Hans Scheuerer sagt, dass er mit zwei lachenden Augen
                        nen und dürfen hier allerdings auch nicht weiter anbauen.“   auf seine Schiedsrichter-Zeit zurückblicke und keine
                        Der Neubau bringe den Fußball dabei direkt zusammen   Erfahrung missen möchte: „Wir Schiedsrichter sind eine
                        mit den Menschen, die im Hintergrund ermöglichten,   große, lebendige Familie. Ich bin stolz, Schiedsrichter
                        dass er funktionierte, sagt der Vizepräsident. Bald könne   zu sein, und ich nehme an, ihr seid es auch!“
                        auch ein Nationalspieler sehen, dass andere Menschen
                        durch ihre Arbeit sein Spiel erst möglich machten.  Während der Hauptgang serviert wird, schwirren die
                                                                     Gespräche durch den mit farbigen Bodenstrahlern fei-
                        Helmut Geyer äußert sich zum Thema Nachwuchsförde-  erlich beleuchteten Raum. „DANKE SCHIRI.“ findet erst-
                        rung und zu den bisherigen Erfahrungen des Patensys-  mals in der DFB-Zentrale in Frankfurt statt, die Front aus
                        tems, das inzwischen für alle 21 Landesverbände zen-  bodentiefen Fenstern gibt den Blick in den tiefgrünen
                        tral auf den Weg gebracht sei, um den Praxis-Schock für   Frankfurter Stadtwald frei.
                        Anfänger zu verhindern. „Jeder Neuling soll bei seinen
                        ersten drei Spielen durch einen Paten unterstützt werden   In einer zweiten Talkrunde interviewt Michael Weiner
                                                                     das Schiedsrichter-Team um Bastian Dankert, das am
                                                                     Nachmittag das Bundesliga-Spiel zwischen der TSG Hof-
                                                                     fenheim und Werder Bremen geleitet hat und der Ver-
                           1.400                                     anstaltung in Frankfurt ebenfalls einen Besuch abstat-
                                                                     tet. „Als wir nach dem Spiel aus dem Stadion rausge-
                                                                     gangen sind“, wendet sich Dankert an die Ausgezeich-
                                                                     neten, „haben wir uns gefreut, den Abend mit euch
                                                                     verbringen zu können!“

                                                                     Wie Harm Osmers zuvor gibt auch Bastian Dankert Ein-
                                                                     blicke in seinen Alltag als Bundesliga-Referee. Er berich-
                           Jahre Schiedsrichter-Tätigkeit ergibt die Summe,
                            wenn man die aktiven Jahre der diesjährigen    tet, wie schwierig es sei, Familie, Beruf und Fußball
                                                                     unter einen Hut zu bekommen – vor allem, wenn es zu
                                 63 Preisträger zusammenaddiert.
                                                                     internationalen Turnieren gehe und man mehr als
                                                                     40 Tage am Stück von zu Hause weg sei. Dann benötige
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