Page 26 - Schiedsrichter-Zeitung
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ANALYSE
DFB-SCHIEDSRICHTER-ZEITUNG 04|2021
   7a_Casteels fängt den Ball, bevor ihn Hahn erreichen kann. Dabei hat er das Knie etwas vorgestreckt.
7b_Der Keeper trifft mit dem Knie die Schulter des Gegners, während er den Ball hält. Casteels‘ Spielweise ist noch im regulären Bereich und die anschließende Kollision mit Hahn ein Zusammenprall, aber kein Foulspiel.
http://bit.ly/SZ-02-21-Szene-07
nem Strafraum zu schlagen. Anschließend trifft er mit dem Fuß, den er zum Schuss benutzt hat, einen Fuß von Eilers (Foto 6b), woraufhin der Angreifer zu Boden geht.
Auch hier lässt der Schiedsrichter weiterspielen – und in diesem Fall zu Recht. Der Fußeinsatz des Keepers war zwar nicht ohne Risiko, aber klar ballorientiert; er hat den Ball auch kontrolliert gespielt – und dies zudem deutlich, bevor es zum Kontakt mit dem Gegner gekom- men ist. Dieser Kontakt ist nicht ahndungswürdig, zumal Coppens nach dem Schuss seine Bewegung mit dem Fuß gestoppt und sich auch ansonsten bemüht hat, Eilers nicht stärker zu treffen, als es durch den Schwung beim Ballwegschlagen unvermeidlich war. Der Torwart hat hier nicht „durchgezogen“ und nicht die Gesund- heit eines Gegners gefährdet, seine Aktion galt nur dem Ball.
7 FC Augsburg – VfL Wolfsburg (20. Spieltag)
Wenn Torhüter einem hohen Ball entgegenspringen, ziehen sie dabei oft ein Knie an. So wie in dieser Situa- tion der Wolfsburger Schlussmann Koen Casteels, der den Ball im eigenen Strafraum vor dem Augsburger André Hahn erreicht und mit beiden Händen in der Luft fängt (Foto 7a). Anschließend trifft er mit dem Knie den Angreifer an der Schulter (Foto 7b). Beide Spieler gehen daraufhin zu Boden und bleiben liegen. Der Schieds- richter lässt erst weiterspielen, unterbricht dann aber die Partie, weil er den Eindruck hat, dass Casteels und Hahn sich ernsthaft verletzt haben könnten und des- halb eine schnelle Erstversorgung auf dem Feld benö- tigen.
Dass die Keeper in einer Situation wie dieser häufig ein Knie vorstrecken, hängt einerseits mit der Sprungbewe-
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  8a_ Torhüter Schneller springt zum Ball und erreicht ihn vor Knipping mit beiden Fäusten. Er spielt also klar zuerst den Ball, ...
8b_... bevor er mit seinen Armen auf den Schultern des gegnerischen Angreifers landet. Auch hier
ist keine Regelübertretung festzustellen.
http://bit.ly/SZ-02-21-Szene-08
gung als solcher zusammen. Andererseits soll der Geg- ner damit zweifellos auch auf Distanz gehalten werden. Hier gilt grundsätzlich: Solange das Knie nicht unnatür- lich weit ausgefahren und damit gewissermaßen als Waffe im Luftkampf eingesetzt wird und darüber hinaus deutlich zuerst der Ball mit den Händen gespielt wird, muss der Schiedsrichter nicht eingreifen. So wie hier: Casteels’ Spielweise ist noch im regulären Bereich und die anschließende Kollision mit Hahn ein Zusammen- prall, aber kein Foulspiel.
8 Dynamo Dresden – FC Bayern München II (22. Spieltag)
Zu den torwarttypischen Spielaktionen gehört auch das Wegfausten des Balles im Luftduell mit gegnerischen Spielern. Hier springt der Münchner Torhüter Lukas Schneller zum Ball und erreicht ihn vor dem Dresdner Tim Knipping mit beiden Fäusten (Foto 8a). Anschlie- ßend landet er mit seinen Armen auf den Schultern des gegnerischen Angreifers (Foto 8b), beide Spieler gehen zu Boden. Da der Ball nach der Faustabwehr ins Seiten- aus gegangen ist, entscheidet der Schiedsrichter auf Einwurf für die Gastgeber.
Auch das ist korrekt. Wenn der Torwart beim Fausten so klar zuerst den Ball trifft und es durch den für diese Abwehr erforderlichen Schwung anschließend zu einem Körperkontakt mit einem gegnerischen Akteur kommt, ist diese Spielweise im Normalfall regulär. Anders sieht es hingegen aus, wenn die Reihenfolge umgekehrt ist, also der Gegner vor dem Ball getroffen wird: Dann liegt ein Foulspiel vor. Bahnt sich eine Faustabwehr an, dann muss der Schiedsrichter also genau im Blick haben, ob der Keeper mit seinen Händen erst den Ball erreicht oder erst den Gegner erwischt. Denn davon hängt die Entscheidung maßgeblich ab.
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