Page 5 - DFB-Schiedsrichter-Zeitung 2/2019
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fL Wolfsburg, Bayer 04 Leverkusen oder zuletzt der Video-Assistenten werden von der Öffentlichkeit TE X T
RB Leipzig – sie alle zog es bereits zum Trai- genau beäugt. Der frühere Bundesliga-Referee sieht Bernd Peters
V ningslager in die Hafenstadt Lagos. Wer die bei- darin aber vor allem eine Herausforderung. „Druck hatte
den teppichgleichen Rasenflächen direkt am Eingang ich früher als Schiedsrichter auch. Damit umzugehen,
des Hotels betritt, weiß, warum. So wie jetzt auch die musste ich jetzt nicht erst neu lernen.“ Drees wird neu-
Referees der Bundesliga und 2. Bundesliga. Fünf Tage erdings auch selbst von einem Assistenten unterstützt,
lang absolvierten die Elite-Schiedsrichter des Deut- Alexander Ernst hat diesen Job angetreten.
schen Fußball-Bundes, das 19. Team der Bundesliga,
im Januar ihr Trainingslager an der portugiesischen
Algarve-Küste und bereiteten sich bei optimalen Bedin-
gungen auf die bevorstehende Rückrunde vor.
Bei wechselndem Sonnenschein und Temperaturen um
die 16 Grad gerieten die Aktiven während der fünf Tage
ordentlich ins Schwitzen. Dafür sorgten schon hartes
Athletiktraining auf zweieinhalb Fußballplätzen und ver-
schiedene theoretische Einheiten in mehreren Seminar-
räumen sowie praktische VAR-Schulungen, die Theorie
und Praxis in Einklang brachten.
„Ich denke, wir haben sehr erfolgreich gearbeitet und
sind gut gerüstet für die Rückrunde“, zog Lutz Michael
Fröhlich, Sportlicher Leiter der Elite-Schiedsrichter, ein
durchweg positives Fazit. „Wir haben super Impulse zum
Thema Kommunikation und Körpersprache erhalten.
Auch regeltechnisch hat DFB-Lehrwart Lutz Wagner gut
mit den Schiedsrichtern gearbeitet. Und im Bereich Video- Die Schiedsrichter-
Assistent haben wir uns speziell auf eine mögliche Ein- Beide sind überzeugt, dass der Einsatz des Video- Assistenten
führung in der 2. Bundesliga vorbereitet.“ Assistenten den Fußball ein Stück weit gerechter macht. trainierten beim
„Sonst würde ich diesen Job nicht machen“, betont Freundschaftsspiel
zwischen Junioren-
Die Schulung fand an vier Nachmittagen in zwei Grup- Drees. „Wenn Leute daran zweifeln, frage ich sie immer Teams.
pen mit den Bundesliga- und Zweitliga-Referees statt. als Erstes: Wie viele irreguläre Tore sind dieses Jahr
Dabei wurden Spiele mit portugiesischen Jugendki- gefallen? Wie viele falsche Entscheidungen nach
ckern simuliert, bei denen die Teilnehmer abwechselnd Abseits? Darüber diskutieren wir nicht mehr. Wir haben
selbst pfiffen sowie an der Linie oder im Videoraum sicher Nachstellbedarf bei der Eingriffsschwelle. Aber
assistierten. wir haben erst ein Jahr Live-Erfahrung hinter uns. Bei
so einer tiefgreifenden Veränderung wäre es vermes-
Das alles unter den aufmerksamen Augen von Dr. Jochen sen gewesen, zu glauben, dass schon alles perfekt
Drees, der das Projekt Video-Assistent beim DFB leitet wäre.“
und der sich immer wieder mit klaren, verbindlichen Hotelzimmer in
Ansagen einbrachte. „Die Live-Situation, die wir hier Nach der schweißtreibenden Trainingswoche fühlten Portugal statt Video-
simulierten, war für viele Schiedsrichter neu“, erklärte sich ausnahmslos alle Teilnehmer gut gerüstet für die Assist-Center (VAC)
Drees. „Unsere Spieler machten das sehr engagiert und anstehenden Aufgaben. „Das waren sehr intensive Tage in Köln: Auch der
Einsatz des Video-
diszipliniert. Das brachte die Schiedsrichter in die Situ- mit viel Training bei super Bedingungen“, sagte Bundes- Assistenten wurde
ation, ähnlich wie unter realen Bedingungen zu arbeiten.“ liga-Referee Martin Petersen. Einig waren sich die meis- beim Trainingslager
simuliert.
Dabei hätten die Verantwortlichen bereits die poten-
ziellen Video-Assistenten für die kommende Saison im
Auge gehabt, erklärte Drees. „Diese rekrutieren sich aus
den Schiedsrichtern der 2. Liga, den Assistenten der
Bundesliga und auch schon zum Teil aus Drittliga-Leu-
ten und Assistenten der 2. Liga.“ Letztere waren aller-
dings beim Trainingslager nicht dabei, sie wurden in
Köln geschult.
Waren die Kollegen vor den Bildschirmen alle motiviert?
„Ja. In so einer großen Gruppe entsteht bei solchen
Übungen immer auch mal Leerlauf – aber die Disziplin
war hoch und alle blieben dabei. Sie waren einfach froh,
die Möglichkeit zu bekommen, an solchen Übungen
teilzunehmen.“
Drees steht als Projektleiter für den Bereich Video-Assis-
tent in einem besonderen Fokus, seine Arbeit und die