Page 5 - DFB-Schiedsrichterzeitung 03-2018
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                  as ist denn los, was geht denn ab? Simon, wenn
                  du ihn berührst, dann ist Foul. Aber ohne Scheiß:
          W Was geht denn ab jetzt hier, Jungs?“ Simon Zol-
          ler zuckt nur mit den Schultern. Der Stürmer des 1. FC Köln
          hat Torhüter René Adler im Strafraum bedrängt, anschlie-
          ßend hat sich eine kleine Spielertraube gebildet. Der
          Moment für den Schiedsrichter, einzugreifen, ist gekom-
          men – und Dr. Felix Brych hat ihn nicht verpasst. Der
          Münchner ist sofort nah am Geschehen, beruhigt die Lage,
          spricht mit den Spielern, setzt Grenzen.

          Diese Szene ist eine der ersten aus der Reportage „The
          Referee“, die vor zwei Jahren im thailändischen Fernse-
          hen gelaufen und die heute – freundlicherweise mit
          englischer Synchronisation – im Internet zu finden ist.
          Eine Reportage, in der es um einen ganz bestimmten
          deutschen Schiedsrichter geht. Den Besten. Sie bietet
          eine der wenigen Möglichkeiten, nicht nur dem Schieds-
          richter, sondern – jedenfalls in einigen Momenten – auch
          dem Menschen Felix Brych näherzukommen und zu ver-  Schon vor vier Jahren durfte Felix Brych an einer WM teilnehmen: In Brasilien leitete er
          stehen, wie er es geschafft hat, so erfolgreich zu werden.   zwei Gruppenspiele, zunächst das Duell Costa Rica gegen Uruguay …
          Zu verstehen, welch große Rolle Akribie dabei gespielt
          haben muss. Brych beim Training. Brych bei der Spiel-
          vorbereitung, bei der Physio, beim Videostudium.

          Brych ist als Abteilungsleiter beim Bayerischen Fuß-
          ball-Verband zwar kein Profi-Schiedsrichter, trotzdem
          wird in der Dokumentation klar: Der Mann ist Profi
          durch und durch. „Wenn ich etwas mache, dann mache
          ich es zu 100 Prozent“, hat Brych vor vier Jahren gesagt,
          als er zum ersten Mal für eine Weltmeisterschaft nomi-
          niert war. Das gilt auch im Jahr 2018 noch, heute viel-
          leicht sogar umso mehr.

          T E A M B RYC H U N D T E A M L Ö W

          Rückblick. Die WM 2014 in Brasilien war die erste für
          Felix Brych und sein Team, nachdem er 2012 bereits bei
          den Olympischen Spielen in London und 2013 beim
          Confederations Cup in Brasilien zum Einsatz gekommen
          war. Während sich die deutsche Nationalmannschaft
          aber während des Turniers in einen Rausch spielte, hieß   … und ein paar Tage später auch noch das Spiel Belgien gegen Russland.
          es für das zweite deutsche Team im Wettbewerb, das
          „Team Brych“, schon nach der Vorrunde: Koffer packen.

          Eine Entscheidung, die damals nicht jeder nachvollzie-
          hen konnte, da Brych insbesondere bei seiner allerers-
          ten WM-Partie überhaupt, der Begegnung zwischen
          Costa Rica und Uruguay, eine glänzende Leistung gezeigt
          hatte. Sein damaliger Chef Herbert Fandel kritisierte
          daher seinerzeit auch die FIFA für die allzu rasche Abbe-
          rufung, während Brych gewohnt diplomatisch zu Pro-
          tokoll gab: „Natürlich ist es schade, dass das Turnier für
          uns jetzt vorbei ist. Aber für mein Team und mich war
          die WM in Brasilien dennoch eine besondere Erfahrung
          und der bisherige Höhepunkt unserer Schiedsrichter-
          Karriere. Wir fahren mit einem guten Gefühl nach Hause.“

          Nun, vier Jahre später, bietet sich die Gelegenheit, bei
          seiner zweiten WM länger am Geschehen mitzuwirken
          und womöglich mit einem noch besseren Gefühl und
          etwas später nach Hause zu fahren – natürlich immer
          unter der Voraussetzung, dass das „Team Löw“ dies durch   Bei der EM in Frankreich pfiff der deutsche Referee unter anderem das Spiel Polen gegen
          zu gute Leistungen nicht verhindert.        Portugal.
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