Page 10 - DFB-Schiedsrichterzeitung 03-2018
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ZWEI LAUTERER
AUF REKORDJAGD
Zwei Schiedsrichter aus der Westpfalz halten nach wie vor Rekorde und vier Bundes-
länder warten noch auf ihren großen Moment. Eine kleine Statistik der deutschen
WM-Schiedsrichter.
Später Schiedsrichter-Obmann des Südwestdeutschen
Fußballverbandes und ein früher Förderer von Markus
Merk, hält Dusch noch heute einige Schiedsrichter-
Rekorde: So wurde er insgesamt dreimal mit der Leitung
des DFB-Pokalfinales betraut, kam als Schiedsrichter
und Linienrichter kombiniert zu insgesamt zehn Einsät-
zen in Endrundenspielen von Weltmeisterschaften und
war der erste deutsche Referee, der bei einem WM-Finale
eingesetzt wurde. Im Endspiel 1958 zwischen Brasilien
und Schweden konnte er als Linienrichter hautnah mit-
erleben, wie die Seleção ihren ersten WM-Titel holte.
F I N AAAA L E – O H O H O
Nachdem Dusch seine Schiedsrichter-Laufbahn beendet
hatte, kamen bei der Weltmeisterschaft 1966 zwei Pioniere
zum Einsatz: Rudolf Kreitlein, der Schneidermeister aus
Stuttgart, der kurze Zeit später nach einer Idee des engli-
TE X T er erste Deutsche, der je bei einer Fußball-Welt- schen WM-Schiedsrichter-Betreuers Ken Aston die Gelbe
Tobias Altehenger meisterschaft als Schiedsrichter zum Einsatz kam, und Rote Karte entwickelte, und der Mannheimer Kurt
D war der Berliner Alfred Birlem – und der wurde Tschenscher, der bei der WM 1970 als erster Schiedsrichter
gleich zu einem Mann für die Statistik-Fans. Sowohl bei überhaupt eine Gelbe Karte zeigen sollte – im Eröffnungs-
der Endrunde 1934 als auch bei der 1938 war Birlem spiel zwischen Gastgeber Mexiko und der Sowjetunion.
mit 46 beziehungsweise 50 Jahren der älteste einge-
setzte Referee und der einzige deutsche WM-Schieds- Tschenscher eröffnete also die WM 1970, während sie
richter, der im 19. Jahrhundert geboren wurde. ein anderer Deutscher beendete. Rudi Glöckner aus
Markranstädt wurde als bisher einzigem Deutschen die
Bei der WM 1954, der WM des „Wunders von Bern“ (und Ehre zuteil, das Finale einer Fußball-WM zu leiten. Vor
der einzigen Weltmeisterschaft, in deren Qualifikations- dem Turnier hatte Glöckner allerdings erst ein A-Län-
runde die deutsche Elf auf das Team des Saarlands traf), derspiel gepfiffen, während des Turniers kam noch ein
wurde der Mannheimer Kaufmannsgehilfe Emil Schmet- zweites hinzu, sodass sein drittes Länderspiel überhaupt
zer für den Deutschen Fußball-Bund nominiert. Schmet- gleich das Finale wurde. Heute undenkbar, löste Glöck-
zer, der jahrelang für die BBC gearbeitet hatte, war einer ner die Aufgabe aber mit Bravour: Die mexikanische
der ersten deutschen Schiedsrichter gewesen, die nach Tageszeitung „El Heraldo“ befand: „Der DDR-Unpartei-
dem Zweiten Weltkrieg wieder mit internationalen Spie- ische amtierte im Stile eines Klassemannes“.
len beauftragt worden waren. Er leitete in Basel die tor-
reiche Vorrundenpartie zwischen England und Belgien, Bei der Heim-WM 1974 schickte der deutsche Fußball-
in der es am Ende 4:4 nach Verlängerung hieß. Bund gleich sieben Unparteiische ins Rennen: Gerhard
Schulenburg, Hans-Joachim Weyland und Kurt Tschen-
Für den Mannheimer blieb es allerdings seine einzige scher kamen als Schiedsrichter zum Einsatz, die anderen
Weltmeisterschaft; 1958 und 1962 vertrat Albert Dusch vier deutschen FIFA-Referees Heinz Aldinger, Ferdinand
Markus Merk ist mit aus Kaiserslautern die deutschen Referees. Dusch war Biwersi, Walter Eschweiler und Klaus Ohmsen wurden
fünf Spielleitungen bei Unparteiischer geworden, nachdem er für eine seiner als Linienrichter eingesetzt. Hinzu kam abermals Rudi
Weltmeisterschaften Auffassung nach unberechtigten Roten Karte als Tor- Glöckner aus der DDR. Der Saarländer Biwersi durfte
aktuell der Spitzen-
reiter unter den wart des 1. FC Kaiserslautern drei Monate gesperrt wor- sich 1978 bei der WM in Argentinien dann als Schieds-
deutschen Un partei- den war und sich in dieser Zeit intensiv mit dem Schieds- richter versuchen, die DDR schickte im selben Jahr den
ischen. richterwesen auseinandergesetzt hatte. Erfurter Adolf Prokop ins Rennen.