Page 8 - DFB-Schiedsrichterzeitung 04-2018
P. 8
8 Ti T e lT h e m a
D F B-s ch i e D s r i ch t e r -z e it u n g 0 4 | 2 01 8
„Die Bundesliga ist leichter als manches Amateur-Spiel“
Nachdem Daniel Siebert das Bundesliga- was die Kollegen vor Ort alles leisten, ist das Da gibt’s sehr viele Menschen! Meine ersten
Spiel zwischen Borussia Dortmund und dem schon Wahnsinn. Wenn man mal so hört, Förderer in Berlin haben nach den ersten
FSV Mainz 05 geleitet hatte, war er mit sei- unter welchen umständen die Leute ihre Rückschlägen dafür gesorgt, dass ich dabei-
nem Team auch Ehrengast bei der „Danke Spiele pfeifen und was sie sonst noch so blieb. Sie haben mein Talent erkannt und
Schiri.“-Preisverleihung. Im SRZ-Interview alles machen, kann ich nur meinen Hut zie- immer an mich geglaubt. Ohne sie wäre ich
spricht der FIFA-Referee aus Berlin über die hen. Wir können uns ja komplett auf unsere nie da, wo ich heute bin.
Preisträger, seine eigenen Förderer und die Leistung auf dem Platz konzentrieren, der
Wirkung von Lob. DFB bereitet uns da wirklich optimal vor. Das Was für eine Schule war der Amateurbe-
können die unparteiischen an der Basis aber reich für Sie? Was hilft Ihnen von Ihren frü-
Herr Siebert, wie haben Sie den Ehrungs- gerade nicht. Man muss ja mal deutlich sagen, heren Erfahrungen auch heute noch auf
abend wahrgenommen? dass da Leute, die während der Woche drei höchster Ebene?
Es war eine super Veranstaltung, ich habe verschiedene Jobs oder vier Kinder zu Hause Ich hatte auch damals schon in jedem Spiel
mich sehr wohlgefühlt. und die Wertschät- haben, trotzdem zwei oder drei Spiele am mit höchst unterschiedlichen Charakteren
zung für die Amateur-Schiedsrichter kam Wochenende pfeifen. Da muss man sagen: zu tun. Ich habe das gefühl, im Amateurbe-
wirklich jederzeit sehr gut rüber. Chapeau! Die haben einfach total Lust auf reich findet viel früher eine Eskalation statt,
dieses Hobby – und das unter fast allen da sind die Hemmungen geringer. Da kann
Können Sie als Bundesliga-Schiedsrichter umständen. Da kann sich jeder eine Scheibe einem die Spielkontrolle viel leichter ent-
von den Kollegen an der Basis, die Sie heute abschneiden. gleiten. Für mich ist die Bundesliga in die-
kennengelernt haben, vielleicht auch noch sem Bereich ein Stück weit einfacher. Wenn
etwas lernen? Wem an der Basis würden Sie gerne mal du es im Amateurbereich schaffst, dass dich
Inhaltlich vielleicht weniger, aber auf jeden „Danke Schiri.“ sagen, weil sie Ihre Karriere die Spieler über einen langen Zeitraum in
Fall in Sachen Engagement. Wenn ich höre, ermöglicht haben? Ruhe lassen, ist das eine Qualität, die dir
auch in höheren Klassen unglaublich hilft.
Sollte die Aktion „Danke Schiri.“ weiter-
gehen?
Absolut! Im Amateurbereich gibt es immer
noch viele Kollegen, die so eine Ehrung ver-
dient haben – und es kommen jedes Jahr
neue hinzu. Sie sollten weiter auch öffent-
lich und bundesweit anerkannt werden. An
der Basis schlummern noch ein paar mehr
Helden-geschichten, die wir hören sollten.
Ich bin jederzeit wieder gerne dabei und
gebe meine Wertschätzung auch unabhän-
gig davon gerne weiter.
Das Schiedsrichter-Team rafael Foltyn, Daniel
Siebert, Jan Seidel und Lasse Koslowski (von
links) trug während des Bundesliga-Spiels
Dortmund gegen Mainz die Namen aller
Preisträger auf dem rücken.
Oder Michael Kranz vom Mittelrhein, der nicht nur in Kameradschaft und Erhaltung.“ Das gelte nicht nur für
Deutschland, sondern auch in Italien Spiele pfeift und Kirsch. „unsere gewinner sind nicht nur gewinner die-
dafür oft mehrere tausend Flugkilometer zwischen ser Aktion, sondern auch ein gewinn für die Schieds-
zwei Spielen in Kauf nimmt. Er kommt so auf mehr als richterei an sich“, sagte Thiemann weiter.
100 Einsätze im Jahr. „und oft auf weniger als drei Stun-
den Schlaf pro Tag – weil ich ja auch noch arbeiten muss“, Viele außergewöhnliche geschichten – eine Ehrung.
erklärte er lachend. Stellvertretend für alle engagierten Schiedsrichter auf
den Fußballplätzen in der ganzen Republik erstrahlten
Oder „Bademeister“ Timo Kirsch aus Hessen (u 50), der sie in Dortmund – und feierten sich gegenseitig und
sich in seinem Kreis für die „gespann-Arbeit“ zuständig gemeinsam, als Familie eben – bis nach Mitternacht.
fühlt. „Ich packe immer alles ein, was für die gemein- „Eine tolle Erfahrung, die ich definitiv mit nach Hause
schaft hilft“, erklärte er – und lachte laut auf. „Vor allem zu meinen Kollegen vor Ort nehme“, sagte Preisträgerin
Essen und Trinken …“ Laudator Andreas Thiemann lobte Ebru Sönmezer aus Berlin. „Alle sollen wissen, was wir
ihn dafür: „Mach weiter so – ein wichtiger Beitrag für die hier für einen tollen Abend hatten.“