Page 15 - DFB-Schiedsrichterzeitung 04-2018
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          ler nach einer gelben Karte ein zweites Vergehen, das   •  Protestieren/Reklamieren durch Worte oder Hand-
          eine solche Strafe nach sich zieht, so bekommt er die   lungen
          gelb/Rote Karte. Wichtig für die Aussprache einer Ver-  •  Wiederholtes  Verstoßen  gegen  die  Spielregeln
          warnung ist, dass eine solche nur gegen einen Spieler,   (Regel 12)
          Auswechselspieler oder ausgewechselten Spieler aus-  •  Taktisches Foul entsprechend der Regel 12
          gesprochen werden kann – nicht jedoch gegen Mann-  •  Absichtliches, unsportliches Handspiel
          schaftsoffizielle. Auch muss das Spiel beim Zeigen der   •  Ignorieren des vorgeschriebenen Abstands beim Eck-
          gelben Karte unterbrochen sein.               stoß, Freistoß oder Einwurf
                                                      •  Verzögern der Wiederaufnahme des Spiels (zum Bei-
          Nachstehende Vergehen sind Beispiele für Situationen,   spiel Blockieren oder Wegspielen des Balles)
          in denen es für das Zeigen einer gelben Karte durch den
          Schiedsrichter keinen Ermessensspielraum gibt, son-  Es ist eine Herausforderung für den Schiedsrichter, bei
          dern in denen die Verwarnung zwingend vorgeschrie-  diesen Regelübertretungen bezüglich der Persönlichen
          ben ist:                                    Strafe das richtige Maß zu finden. Für den Schiedsrich-
                                                      ter spielen unterschiedliche Faktoren eine Rolle bei der
          •  Absichtliches Verlassen oder Betreten des Spielfelds   Frage, ob er eine Verwarnung ausspricht. Dazu gehören
            ohne Erlaubnis des Schiedsrichters        unter anderem das klare, eindeutige Erkennen der Situ-
          •  Erklettern des Zaunes nach einem Torerfolg  ation, das Auftreten der Spieler im bisherigen Spielver-
          •  Über-den-Kopf-Ziehen des Trikots nach einem Torer-  lauf sowie der Spielcharakter.
            folg
          •  Tauschen des Torwarts ohne Zustimmung des Schieds-  In die Lehrarbeit muss bei der Arbeit mit dem aktuellen
            richters                                  Thema außerdem einfließen, dass der Schiedsrichter in
                                                      seiner Körpersprache (gestik, Mimik, Körperhaltung)
          gibt es bei den genannten Vergehen wohl kaum Dis-  deutlich machen muss: „Ich dulde ein solches unsport-
          kussionen, wenn der Schiedsrichter gegen den fehlba-  liches, regelwidriges Verhalten nicht – gleich von wel-
          ren Spieler „gelb“ zieht, kommt es bei den folgenden   chem Spieler und von welcher Mannschaft.“
          Regelübertretungen dagegen oft zu Konflikten. Denn
          in diesen Situationen liegt es durchaus im Ermessen des   Der DFB-Lehrbrief Nr. 79 geht auch auf die regeltech-
          Schiedsrichters, wie er diese auslegt und ob er es dem-  nischen grundlagen ein, die zur gelben Karte führen
          entsprechend noch bei einer Ermahnung belässt oder   können. Den Schiedsrichtern wird an Rollenspielen,
          die gelbe Karte zeigt:                      Videoanalysen und auf Arbeitsbogen in zwei Lehrein-
                                                      heiten aufgezeigt, was sie bei der Aussprache der Ver-
          •  Unsportliches Betragen (z.B. Simulieren eines Fouls,   warnung zu beachten haben.
            Täuschen des gegners durch einen Zuruf)



            Für die Praxis                            Emotionen und eine hysterische, sich überschlagende
                                                      Stimme müssen vermieden werden.
            Folgende Tipps können dem Schiedsrichter helfen,   4. Der Schiedsrichter muss die Karte dem Spieler im
            mit der Aussprache der Verwarnung auf dem Platz die
            gewünschte Wirkung zu erzielen:           passenden Abstand und in etwa in Augenhöhe zei-
                                                      gen. Die Distanz darf nicht zu groß und nicht zu gering
                                                      zum Spieler sein. Dabei muss der Schiedsrichter mit
            1. Der Schiedsrichter muss beim Aussprechen der   beiden Beinen fest, stabil auf dem Boden stehen.
            Persönlichen Strafe ruhig, gelassen und distanziert
            bleiben. Da eine solche Maßnahme nur in einer Spiel-
            ruhe erfolgen darf, sind Hektik und Eile fehl am Platz.

            2. Kennt der Schiedsrichter den Spieler oder sieht er
            dessen Rückennummer, so spricht er ihn entsprechend
            an. Er nimmt Blickkontakt auf und teilt dem Spieler
            gegebenenfalls auch mündlich mit, dass er ver-
            warnt ist. Die genaue Feststellung von Nummer oder
            Name ist für den Schiedsrichter wichtig, denn so weiß
            er genau, wem er „gelb“ gezeigt hat, und kann dies
            sicher notieren. Der Schiedsrichter sollte vermeiden,
            die Karte in einen Spielerpulk hinein zu zeigen –
            ansonsten ist für Außenstehende nicht nachzuvoll-
            ziehen, welcher der Spieler „gelb“ bekommen hat.

            3. Der Schiedsrichter spricht mit ernster, bestimmter,
            sachlicher Stimme und klarer gestik, bei der sich die   Beim Aussprechen der Gelben Karte tritt der Schiedsrichter
            Hände nicht über Brusthöhe befinden. Überzogene   dem Spieler mit klarer Körpersprache gegenüber.
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