Page 26 - DFB-Schiedsrichterzeitung 03-2018
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ger DFB-Schiedsrichter und Mitglied des DFB-Schieds- die Betroffenen einvernehmlich einigen: Kurzzeitig, aber
richter-Kompetenzteams, wird die vertrackte Kon- nur für diese Saison springt der Nach wuchs- Schieds-
stellation durchgespielt. Der Obmann fungiert dabei als richter noch als Spieler für seinen Verein ein, um sich
Konfliktlöser, als Mediator, und das bei nicht einfachen dann ab der neuen Saison voll und ganz auf die Tätig-
Umständen. keit als Unparteiischer in höheren Spielklassen zu kon-
zentrieren.
Da ist der betroffene Nachwuchs-Unparteiische, der
zwischen den Stühlen sitzt: volles Engagement für das Drei Tage lang widmen sich die Obleute aus Mecklen-
Schiedsrichterwesen und Aufstieg in höhere Klassen – burg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Hamburg, Bre-
oder Fußball spielen für den eigenen Vater im Heimat- men, Niedersachsen, Westfalen, Württemberg und
verein in der Kreisliga. Da ist der betroffene Vater, der Baden insbesondere den Themenbereichen Kommuni-
als Präsident des Klubs seinen Sohn lieber spielen las- kation, Rhetorik und Konfliktlösungen – und das inten-
sen möchte. Da ist der Betreuer des Talentkaders, der siv anhand konkreter Beispiele aus dem Alltag. Bei der
gerade kurzzeitig die Welt nicht mehr versteht. Und alle mittlerweile zehnten Tagung dieser Art wird bei der Pro-
sitzen an einem Tisch. grammgestaltung vor allem auf die Wünsche aus den
Kreisen eingegangen.
Günther Thielking: „Es kommt in einem solchen Medi-
ationsverlauf darauf an, Informationen zu sammeln. Der Heribert Ohlmann aus Marpingen im Saarland, Mitglied
Obmann hört sich die Parteien an, moderiert, arbeitet in der Schiedsrichter-Kommission Amateure, hebt die
die spezifischen Interessen heraus und versucht, Lösun- Bedeutung einer solchen Fortbildung für Obleute her-
gen zu finden, mit denen sich alle identifizieren können.“ vor: „Die Rolle des Obmanns umfasst viele Tätigkeiten:
Am Ende sollte idealerweise eine Vereinbarung stehen, unter anderem die Verantwortung für die Organisation
mit der alle leben können. des Ausschusses mit all seinen Aufgaben wie Ansetzun-
Die Fortbildungen sind gen, Öffentlichkeitsarbeit, Kommunikation in den ver-
Treffpunkt für Obleute
aller Altersklassen Die gute Nachricht: In dieser konkreten Situation schafft schiedensten Gremien. Wer so viele und noch viel mehr
und verschiedener der Obmann als Mediator eine gute Lösung, auf die sich Tätigkeiten managt, muss eine Führungspersönlichkeit
Landesverbände. sein.“ Und dafür brauche es Schulungen wie die Obleute-
Tagung.
Bei der Analyse der Gesprächssituationen diskutiert er
mit den Teilnehmern auch nonverbale Kommunikation
wie Mimik, Gestik oder Blickkontakt. „Gerade auf Kreis-
ebene ist es eine große Herausforderung, schlechte
Nachrichten möglichst so zu überbringen, dass wir kei-
nen Unparteiischen verlieren“, sagt Ohlmann. „Wie
erklären wir einem Nachwuchsmann, dass er dieses Jahr
noch nicht aufsteigen kann? Wie legen wir einem älte-
ren, erfahrenen Unparteiischen behutsam nahe, dass er
seinen Platz in der höheren Klasse besser für einen Jün-
geren zur Verfügung stellt?“
Gerade bei solch schwierigen Themen sei es für den
Obmann wichtig, sich intensiv und auch schriftlich auf
das Gespräch vorzubereiten, empfiehlt Ohlmann: „Alle
Argumente für eine Entscheidung sollten vorher schrift-
lich fixiert werden. Wichtig ist auch der Perspektiven-
wechsel: Der Obmann sollte sich auch in die Rolle des
betroffenen Schiedsrichters versetzen.“ Häufig sei es
dann so, dass es bei zunächst vermeintlich konträren
Positionen Schnittmengen gebe und Kompromisse
möglich seien. So zum Beispiel, wenn man dem jungen,
aufstrebenden Talent, das vielleicht noch nicht dieses
Jahr, sondern nächstes Jahr dran sei, signalisiere, dass
es für die Leitung attraktiver Begegnungen auf jeden
Fall fest eingeplant sei. Außerdem sei es entscheidend,
das Gefühl zu vermitteln: „Als Obmann will ich helfen.
Es geht immer um den betroffenen Unparteiischen,
nicht um mich.“
Gute Kommunikation, Gespräche positiv führen, Kon-
flikte erfolgreich lösen – all diese Themen sind für die
Teilnehmer unverzichtbare Programmpunkte. Ein Punkt
insbesondere auch: der von Lehrgangsleiter Udo Penß-
ler-Beyer vielfach hervorgehobene „gegenseitige Aus-