Page 20 - DFB-Schiedsrichterzeitung 05-2018
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VORTEIL!
Der Schiedsrichter zeigt den Vorteil mit ausgestreckten Armen an.
Der aktuelle DFB-Lehrbrief Nr. 80 beschäftigt sich mit der
Vorteils-Entscheidung. Bei der Arbeit an dieser Thematik
wird deutlich, dass der Schiedsrichter oft erst im Nachhinein
weiß, ob seine Entscheidung die richtige war.
TE X T ls Jens Lehmann im Champions-League-Finale mann hätte nicht schon nach einer Viertelstunde vom
Günther Thielking 2006 den allein auf sein Tor zueilenden Samuel Platz gemusst.
A Eto’o direkt vor der Strafraumlinie regelwidrig
von den Beinen holte, pfiff der norwegische Schieds- Bei der Frage nach Vorteil bekommen Worte wie „hätte“,
richter Terje Hauge die Attacke des deutschen Schluss- „wenn“ und „wäre“ immer wieder eine große Bedeutung.
manns sofort ab. Er wertete sie als Verhinderung einer Sie machen deutlich, dass ein solcher Spielvorteil oft
klaren Torchance und zeigte dem Keeper die Rote Karte. nicht zweifelsfrei zu erkennen ist. Von regeltechnischer
Dabei hätte der Referee in dieser Situation nur einen Bedeutung für eine Bewertung eines Fouls und die dar-
kurzen Moment warten sollen, denn hier wäre auch noch aus erwachsende Konsequenz ist für den Unparteiischen
der verzögerte Pfiff möglich gewesen. Oder Terje Hauge aber, dass er immer dann das ursprüngliche Vergehen
hätte auch auf Vorteil entscheiden können – in dieser zu bestrafen hat, wenn der Vorteil nicht direkt nach dem
Situation sicher die beste Lösung, denn der mitgelau- Foul eintritt. Die Zeitspanne ist zwar nicht exakt festge-
fene Stürmer konnte den Ball unmittelbar nach dem legt, doch sollte ein möglicher verzögerter Pfiff noch
Foul ins Tor schießen. Dann wäre dies das 1:0 für den im Zusammenhang mit dem Geschehen zu erkennen
FC Barcelona gegen den FC Arsenal gewesen und Leh- sein.