Page 9 - DFB-Schiedsrichterzeitung 05-2018
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enn Lutz Michael Fröhlich im Zusammenhang Sich immer realistisch mit der eigenen Entwicklung aus- TE X T
mit Daniel Schlager von einem „Shootingstar“ einanderzusetzen, spielt für Schröder eine große Rolle: David Bittner
W unter den Schiedsrichtern spricht, ist dies ein „Als Schiedsrichter ist es notwendig, dass man Hinweise
eher seltener Begriff in Bezug auf Un parteiische, er trifft und Impulse von seinen Assistenten, Coaches und der
es aber dennoch ganz gut: Gerade einmal zwei Jahre Kommission aufnimmt und in seinem Spielmanagement
lang war Schlager als Schiedsrichter in der 2. Bundesliga umsetzt. Dieser Grundeinstellung bin ich schon immer
unterwegs, vergangene Saison sogar als der Drittjüngste. gefolgt – und das hört auch jetzt nicht auf.“ So ist für
Und nur 18 Einsätze brauchte er, um die Verantwort- ihn als Schiedsrichter ein Spiel nach 90 Minuten noch
lichen von seiner Bundesliga-Tauglichkeit zu überzeu- lange nicht beendet: „Es schließt sich immer eine fach-
gen: „In beiden Jahren brachte er Spitzenleistungen – liche Analyse an inklusive eines Eigenstudiums der Par-
daher hat er sich den Aufstieg absolut verdient“, sagt tie per Video.“
Fröhlich.
Was beide Aufsteiger gemeinsam haben: Die Vorfreude
Dass er so schnell in die Bundesliga nach oben durch- auf die neue Spielklasse ist riesengroß: „Es wird wichtig
gereicht würde, hätte Schlager selbst dagegen nicht für sein, das erste Bundesliga-Spiel gut über die Bühne zu
möglich gehalten: „Als ich von dem Aufstieg erfahren bekommen – das bringt automatisch Selbstvertrauen“,
habe, hatte ich Gänsehaut. Es war ein unbeschreibliches sagt Robert Schröder. „Die Bundesliga steht im absolu-
Gefühl“, sagt der Unparteiische, der sich – wie auch ten Fokus der Öffentlichkeit und der Medienberichter-
schon nach den Aufstiegen in der Vergangenheit – stattung. Jede einzelne Entscheidung wird noch inten-
zunächst einmal „in der neuen Spielklasse etablieren siver beleuchtet und analysiert. Das muss einem bewusst
und das entgegengebrachte Vertrauen mit guten Leis- sein, man muss sich darauf einstellen und die Spielfüh-
tungen zurückzahlen“ möchte. rung in dieser Klasse darauf ausrichten.“
IN T E NS IV E S P I E LVO RB E RE I TU N G
„Das Spieltempo ist noch mal deutlich höher als in der
2. Bundesliga“, weiß der Aufsteiger bereits aus seiner
Assistenten-Tätigkeit in der Bundesliga. Für ihn bedeu-
tet das: noch mehr trainieren, um noch fitter zu sein.
Ansonsten braucht sich Daniel Schlager nicht besonders 13
umzustellen – schließlich war er mit seiner Art bisher
erfolgreich: „Die Spielvorbereitung war in der 2. Bun-
desliga schon sehr hoch: Es war für mich selbstverständ-
lich, mich im Vorfeld eines Spiels zum Beispiel mit dem
Spielerverhalten bei Standardsituationen, der taktischen
Spielweise der Teams und auch speziellen Spielertypen
auseinanderzusetzen.“ AU FS TE I G E R
IN FÜNF JA HRE N
Diese Akribie hat sich ausgezahlt: „Ich hatte in den ver-
gangenen zwei Jahren das Glück, dass die Spiele relativ
geräuschlos über die Bühne gingen – also ohne dass Nachdem zuletzt viele „alte Hasen“ ihre Schieds-
ich als Schiedsrichter in den Mittelpunkt des Gesche-
hens rückte. Aber irgendwann kommt sicherlich mal ein richter-Karriere beendet haben, hat in der Bundes-
liga ein Generationenwechsel stattgefunden. In
Spiel, bei dem es auch einmal heftigere Reaktionen auf den kommenden Jahren wird es dagegen wohl
eine Entscheidung geben wird – schließlich macht jeder weniger Veränderungen auf der Liste geben:
Schiedsrichter Fehler.“
Manuel Gräfe, Markus Schmidt und Guido Wink-
mann sind mit jeweils 44 Jahren die ältesten Bun-
Wie schnell man dann in den medialen Fokus geraten desliga-Referees und damit die einzigen, die die
kann, musste Robert Schröder in der Rückrunde der ver- Altersgrenze zumindest in Sichtweite haben.
gangenen Saison erfahren: Bei einem Assistenten-Ein-
satz beim Spiel Schalke gegen Hoffenheim verletzte er
sich, musste ausgetauscht werden und wurde in der 2014 Sascha Stegemann
anschließenden Pressekonferenz gar zur Zielscheibe
von Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann. „So etwas 2015 Benjamin Brand
braucht man als Schiedsrichter nicht unbedingt – den- 2016 Benjamin Cortus, Patrick Ittrich,
noch sind dies die Spiele, aus denen man gestärkt her- Robert Kampka, Harm Osmers,
vorgehen kann, wenn man die richtigen Schlüsse zieht“, Frank Willenborg
sagt Robert Schröder heute.
2017 Sven Jablonski, Martin Petersen,
An der Seite von Bundesliga-Schiedsrichter Benjamin Bibiana Steinhaus, Sören Storks
Brand hat er in den vergangenen Jahren Bundesliga-Luft 2018 Daniel Schlager, Robert Schröder
schnuppern dürfen: „In dieser Zeit habe ich einiges ler-
nen können. Mit jedem Einsatz gewinnt man neue Erfah-
rungen.“