Page 6 - DFB-Schiedsrichterzeitung 03-2019
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6         TITE LTH E M A
                D FB -S C H I E D S R I C H T E R -Z E I T U N G  0 3 | 2 019



                                                                           aber bereits in der zweiten Ausgabe der Schieds-
                                                                           richter-Zeitung.

                                                                           Als Redaktion, Druck und Versand zunehmend
                                                                           kostenintensiver wurden – die Schiedsrichter-
                                                                           Zeitung erschien damals mindestens monatlich,
                                                                           zeitweise auch alle 14 Tage –, kamen im April
                                                                           1921 erstmals Anzeigen ins Blatt. Erster Wer-
                                                                           bepartner war die Firma Continental Pneuma-
                                                                           tic, deren Transparente auch in Fußball-Stadien
                                                                           zu sehen waren. Im Laufe der Zeit erweiterte
                                                                           sich das Werbeportfolio um Sportartikel- und
                                                                           sogar Spirituosen-Hersteller.

                                                                           Die Legende, nach der Carl Koppehel die
                                                                           Schiedsrichter-Zeitung vom ersten Tag an durch-
                                                                           gehend bis in die Mitte der 70er-Jahre verant-
                                                                           wortlich leitete, hat, wie bei Legenden durchaus
                                                                           üblich, keinen hundertprozentigen Wahrheits-
                                                                           gehalt. Dass er in den diversen selbst geschrie-
                                                                           benen Rückblicken der Jubiläumsausgaben die-
       1926:                                                               sem Eindruck kaum entgegentrat, mag bei den
       Ab jetzt zwei    und Regeln zusammenhing. Schiedsrichter-Gremien,   unbestreitbar großen Verdiensten Carl Koppehels um
       Schiedsrichter-  wie man sie heute kennt, die sich intensiv und ausschließ-  die Schiedsrichtersache zu vernachlässigen sein. Den-
       Zeitungen.
                        lich um die Belange der Unparteiischen kümmern, gab   noch sei hier angemerkt, dass er bereits Anfang 1921
                        es nicht – außer in der Gedankenwelt Carl Koppehels.   für fünf Jahre die Leitung in die Hände von Alwin Hof-
                        Was ihm noch einigen Ärger eintragen sollte; dazu spä-  schneider legte, der wie er selbst Mitglied im Vorstand
                        ter mehr.                                    des VBB war.

                        In ihrer einhundertjährigen Geschichte veränderten sich   Von „beruflichen Gründen“ und „Arbeitsüberlastung“
                        Aussehen, Format und Gestaltung der Schiedsrichter-  war die Rede, Koppehel war inzwischen hauptamtlicher
                        Zeitung recht häufig: Die ersten Ausgaben bestanden   Geschäftsführer des Verbandes Brandenburgischer Ball-
                        aus einem einfachen Papierbogen des Formats 29 x 45   spielvereine geworden und sicherlich mit den Belangen
                        Zentimeter. Dieser wurde mittig einmal gefalzt, sodass   dieses großen Landesverbandes mit dem Mittelpunkt
                        vier bedruckbare Textseiten entstanden. Papier war nach   Berlin sehr gut ausgelastet. Heute kaum noch vorstell-
                        dem Krieg ein knappes Gut, weshalb diese vier Seiten   bar, musste sich der Fußball seine Stellung im gesell-
       Auch mal grafische
       Elemente: Abseits-  oft sehr dicht beschrieben waren. Erste grafische Ele-  schaftlichen Leben erst noch erkämpfen. Als Autor blieb
       erklärung im Jahr   mente in Form von Skizzen zu Spielszenen finden sich   Koppehel der Schiedsrichter-Zeitung aber erhalten, und
       1926.                                                         sein Einfluss auf seinen Nachfolger bei der Gestaltung
                                                                     des Blatts wird nicht gering gewesen sein.

                                                                     Die Zeiten Anfang der 20er-Jahre sind vor allem wirt-
                                                                     schaftlich sehr schwierig. Deutschland muss nach dem
                                                                     von ihm angezettelten und verlorenen Krieg enorme
                                                                     Reparationsleistungen an die Siegermächte zahlen. Die
                                                                     junge Weimarer Republik, die auf der ersten demokra-
                                                                     tischen Verfassung auf deutschem Boden gegründet
                                                                     ist, versucht den Angriffen von rechts und links stand-
                                                                     zuhalten. Bewaffnete Auseinandersetzungen, Straßen-
                                                                     kämpfe und Attentate lassen das Land und die Men-
                                                                     schen vor allem in den Großstädten nicht zur Ruhe
                                                                     kommen.

                                                                     Weniges ist verlässlich in dieser Zeit, und das gilt leider
                                                                     auch für die Erscheinungsweise der Deutschen Schieds-
                                                                     richter-Zeitung. Immer wieder müssen Verlag und
                                                                     Redaktion ihre Leser ermahnen, ihre Abonnements zu
                                                                     bezahlen. Es nützt nichts: Die September-Ausgabe 1922
                                                                     ist zunächst die letzte, die produziert und verschickt
                                                                     wird.

                                                                     Erst im Mai 1923 gelingt  es Verleger Leonhardt Germann
                                                                     und Chefredakteur Alwin Hofschneider, die nächste Aus-
                                                                     gabe herauszubringen. Sie geraten mitten hinein in die
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