Page 14 - DFB-Schiedsrichterzeitung 2/2018
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D F B-S CH I E DS R I CH T E R -Z E IT U N G 0 2 | 2 01 8
PANORAMA
D RE I M ON ATE S PE RRE FÜ R E INE N VID EO B E W E IS
SCHIE DS RI CHTE R AU CH BE I W M
In Frankreich hatte ein Referee einen skur- liegend, gegen den Spieler nach. Anschlie- IN RUS S L AND
rilen Aussetzer: Im Spiel zwischen dem ßend stellte der 45-jährige Unparteiische
FC Nantes und Paris Saint-Germain hatten Carlos auch noch mit „Gelb/Rot“ vom Platz. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2018
sich zunächst die Laufwege von Schiedsrich- in Russland gilt der Einsatz des Videobe-
ter Tony Chapron und Nantes-Spieler Diego Wegen dieses Vorfalls sperrte der Französi- weises als wahrscheinlich. Der für die
Carlos im Zuge eines schnellen Angriffs sche Fußball-Verband (FFF) Chapron nun für Regeln zuständige International Football
gekreuzt. Nach einem Kontakt kam der drei Monate, setzte zudem drei weitere Association Board (IFAB) hat sich positiv
Schiedsrichter zu Fall und trat nun, am Boden Monate Sperre zur Bewährung aus. über die laufende Testphase geäußert:
„Die Auswertung von mehr als 800 Spie-
len mit Videobeweis hat positive und
ermutigende Ergebnisse gebracht. Für
eine Entscheidung der Generalversamm-
lung sind keine weiteren Experimente
nötig“, sagte Lukas Brud, Geschäftsführer
des IFAB.
Die Analyse der betroffenen Begegnun-
gen durch Wissenschaftler der Katholi-
schen Universität Leuven (Belgien) habe
das erhoffte Ergebnis von „minimaler Stö-
rung und maximalem Nutzen“ ergeben,
so Brud. Die Zahlen der Studie seien posi-
tiv: In den 804 Wettbewerbsspielen habe
die Genauigkeit der Entscheidungen bei
98,9 Prozent gelegen, wobei 100 Prozent
wegen der Subjektivität bei Schiedsrich-
ter-Entscheidungen unmöglich zu errei-
chen seien. Eine „klare und offensichtliche
Fehlentscheidung“ des Unparteiischen auf
dem Rasen sei nur in einem von 20 Spie-
len nicht korrigiert worden.
CO -TR A INE R
Das Verhalten des französischen Referees sorgte nicht nur bei den Spielern für ungläubige Gesichter.
S PRIN G T A L S
ANFÄN G E R PFE IFE N A L S RE FE RE E E IN
„ HE IM -SCHIRIS“ Bundesligist SC Freiburg weilte in der Win-
terpause in Spanien – und bei dem Test
Im Kreis Ahaus/Coesfeld in Westfalen sind Christoph Hanck, Vorsitzender des Kreis- gegen den 1. FC Kaiserslautern im spani-
„Heim-Schiris“ zukünftig ausdrücklich Schiedsrichter-Ausschusses. Zu den „Nach- schen Sotogrande hatte Freiburgs Co-Trai-
gewünscht. Der Kreis begann nun mit einer teilen“ gehöre, dass diese Einsätze nur sinn- ner Lars Voßler einen ungewöhnlichen
Pilotphase, die gerade junge Unparteiische voll seien bei Spielen, die auch bisher nicht Job: Da der für die Partie angesetzte
behutsam an dieses Hobby heranführen soll. von neutralen Schiedsrichtern geleitet wür- Schiedsrichter Probleme bei der Anreise
Ihnen soll die Möglichkeit gegeben werden, den – so in den B-Ligen in der C- und D- hatte, sprang er kurzerhand ein. Als Assis-
zunächst Spiele ihres Heimvereins zu leiten. Jugend. tenten halfen Lauterns Ersatztorwart Len-
Dafür dient eine entsprechende Vorgehens- nart Grill und Ersan Parlatan, Trainer-Prak-
weise in den Niederlanden als Vorbild. Aber: Unparteiische dieser Gruppe zählen tikant bei den Breisgauern, aus.
„Zu den Vorteilen gehört, dass sich die Jung- für den meldenden Verein nicht zum Soll.
Schiedsrichter in vertrauter Umgebung mög- Erst nach maximal einem Jahr entscheiden
licherweise eher das nicht immer einfache sich die „Heim-Schiris“, ob sie als reguläre
Amt des Unparteiischen zutrauen“, sagt Schiedsrichter aktiv werden wollen.