Page 18 - DFB-Schiedsrichterzeitung 03-2018
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      LÄNGER IMMER,





      KÜRZER NIMMER








       Anhand von sieben Szenen aus dem Profibereich lassen sich Erkenntnisse ableiten, die
       in allen Spielklassen von Bedeutung sind. Zum Beispiel, was die Nachspielzeit angeht.



                                           1 A









                                                                                       1       Nachspielzeit:
                                                                                               Der Schiedsrichter
                                                                                               legt sie fest, der Vierte
                                                                                               Offizielle zeigt sie an.










                                           1B







                                                                       Abpfiff 34 Sekunden zu früh – mindestens.






                                                                       http://bit.ly/SZ-01-005



       TE X T                 er Braunschweiger Lehrer Konrad Koch veröf-  unsere Tage erhalten hat. Heute beginnt der Text der
       Lutz Lüttig und        fentlichte 1875 die ersten Fußball-Regeln auf   Regel 7, die sich mit der Dauer des Spiels befasst, so:
       Rainer Werthmann D Deutsch. Er hatte sie für die Schüler des Martino-  „Ein Spiel besteht aus zwei Halbzeiten von je 45 Minu-
                        Katharineums festgelegt, die im Winterhalbjahr „bei   ten.“ Dazu ist recht ausführlich beschrieben, wann und
                        günstigem Wetter“ zweimal wöchentlich das Fußball-  warum der Schiedsrichter eine Nachspielzeit anordnen
                        spiel trainierten. Festgelegt wurde auch ein jährliches   soll. Davon war bei Konrad Koch noch keine Rede. Nie-
                        Wettspiel zwischen den Klassen. Dabei ging es um einen   mand kam auf die Idee, das Spiel bei einer Spielfortset-
                        Preis, ein sogenanntes „Siegeszeichen“, das die Gewin-  zung absichtlich zu verzögern, bei einem günstigen
                        ner bis zum nächsten Spiel behalten durften. Damit alles   Ergebnis Verletzungen zu simulieren oder Auswechs-
                        „regelgerecht“ zuging, wurden drei „Preisrichter“   lungen im Schneckentempo zu absolvieren. Das hatte
                        bestimmt. Sie hatten auch über die Spielzeit zu wachen.   etwas mit „Fair Play“ und Respekt zu tun.
                        In Kochs Regeln hieß es dazu: „Wettspiele dauern eine
                        Stunde; die Preisrichter rufen nach einer halben Stunde:   Es war damals übrigens die Aufgabe des „Fußball-Kai-
                        halbe Zeit!“ Ein Ausdruck  („Halbzeit!“), der sich bis in   sers“ (Mannschaftskapitän), dafür zu sorgen, dass seine
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